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Bote November 2015
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Monatsspruch für November 2015

Erbarmt euch derer, die zweifeln.

Judas 22 

Liebe Gemeinde, liebe Freunde und Gäste! Das ist ja mal ein Monatsspruch! „Erbarmt euch derer, die zweifeln!“ Und das in diesen Tagen. Wo so viele doch genau wissen (oder zu wissen meinen), was zu tun ist, was dran ist. Alle scheinen (besser) zu wissen, was in diesen Tagen, wo viele Menschen zu uns nach Deutschland kommen richtig ist…

 

Neulich bekam ich einen anonymen Brief, in dem wurde gefordert, wir als Kirche sollten endlich mal was für die Bedürftigen und Flüchtlinge tun. Das ist doch jetzt dran! Das ist doch wohl unbezweifelbar!

„Hallo?! Geht’s noch?“, habe ich gedacht. Der Briefeschreiber sollte mal den Weg in unsere Gottesdienste finden, dann würde er oder sie erfahren, was wir bereits tun: Wir haben eine syrische Familie aufgenommen in einer unserer Wohnungen, die St. Simeon-Kirche ist nun offiziell Flüchtlingskirche, donnerstags gibt es eine Lebensmittel-Ausgabe „Laib und Seele“ und freitags bereiten wir ein leckeres Mahl all denen, die gern mit uns zu Mittag essen. Zudem planen wir, in den kalten Monaten eine Obdachlosenspeisung mit der Diakonie gemeinsam zu organisieren… Wir machen doch schon… dachte ich! Wer aber nicht in der Gemeinde präsent ist, wer nicht zum Gottesdienst kommt, der bekommt natürlich auch nicht mit, was in der Gemeinde alles läuft.

 

Und da sind wir auch schon mitten im Thema des Zweifels: Einer der ersten großen Zweifler, der Thomas, ist ja schon sprichwörtlich geworden: Er war nicht in der Gemeinde, war nicht im Gottesdienst, als sich der Auferstandene den Jüngern offenbarte. Erst eine Woche später, – wieder am Sonntag – als die Jünger versammelt waren, da war auch Thomas dabei, als Jesus sich erneut als der Auferstandene zeigte.

 

Jesus hat eine Schwäche für Zweifler. Im Missionsbefehl (Mt 28) heißt es Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Schon damals, in dieser entscheidenden Stunde der Kirche, als Jesus die Apostel aussendet, die frohmachende Botschaft in alle Welt, an alle Völker weiterzusagen, da zweifeln einige. Und Jesus? Er wirft sie nicht raus, er sendet auch sie! Wenn der Apostel Judas nun also fordert: „Erbarmt euch derer, die zweifeln!“ dann praktiziert er genau das, was Jesus auch getan hat. Er hat ein Herz für die, die (noch) nicht fest glauben können.

 

Das griechische Wort, das in unserem Monatsspruch für „zweifeln“ steht, hat die Grundbedeutung „mit sich im Streit liegen“. Ein solcher Zweifler ist innerlich zerrissen. Die Situation, in die der Judasbrief hineinspricht, ist ein schwerer innergemeindlicher und übergemeindlicher Konflikt, in dem der christliche Glaube insgesamt auf dem Spiel steht. Judas hat Christen vor Augen, die für ihn gefährliche Irrlehrer sind, aber die doch sehr viele Gläubige auf ihre Seite gezogen haben. Es gab also Anhänger der neuen Richtung, es gab standhafte Vertreter der Apostelüberlieferung, und es gab die Zweifler, die sich nicht entscheiden konnten. Wie sollen die entschiedenen Christen mit diesen Unentschiedenen umgehen? Judas sagt: Erbarmt euch ihrer! Nehmt euch ihrer helfend an! Macht ihnen also keine Vorwürfe und gebt sie nicht vorschnell verloren! Helft ihnen vielmehr zu einer klaren und richtigen Entscheidung. Und was kann in dieser Situation helfen? Natürlich nur überzeugende Argumente! „Erbarmt euch derer, die zweifeln.“, bedeutet also: Sucht das Gespräch, geht auf kritische Fragen geduldig ein und gewinnt die Unsicheren mit der Kraft des besseren Arguments. Das ist intellektuelle Barmherzigkeit, die auch heute gebraucht wird.

 

Denn auch heute wird an allen Orten gezweifelt. Mancher mag denken: „Die da draußen, die nicht zur Kirche kommen, die zweifeln…“ Aber immer mehr wird in der Kirche gezweifelt. Ja es scheint schon Mode geworden zu sein, sich als jemand zu bezeichnen, „der auf dem Wege ist“, der mit den anderen „ein Suchender“ ist. Und es werden in der Kirche die mit bösem Blick bedacht, die von sich sagen können, dass sie sich ihres Glaubens freuen, gern an Jesus Christus glauben und ihm von Herzen vertrauen! Das ist eine Verkehrung der Dinge. Nicht mehr der Gläubige, der Vertrauende ist das Ideal, es scheint, dass in unserer Kirche immer mehr der Suchende, der Zweifler zum Vorbild erhoben wird. Und der Zweifel greift tief in unserer Kirche. Gerade was die Person und das Werk unseres Herrn Jesus Christus betrifft (die Theologie sagt „Christologie“ dazu), da wird die Kirche zunehmend schweigsam. Immer mehr Predigten und Gebete scheinen ohne Jesus Christus auskommen zu können. Da wird allgemein von „GOTT“ geredet. Aber Christus kommt nicht mehr vor. Es krankt in unserer Kirche die Christologie – die Lehre von Person und Werk Jesu Christi! Er wird vielleicht noch als Vorbild zitiert. Aber wie schon Luther sagt: Christus will uns nicht als Exemplum (d.h. als Beispiel, Vorbild) dienen, sondern als Sakramentum. D.h. er ist als Sohn Gottes für unsere Sünden gestorben und seine Auferstehung gibt uns Kraft für die Nachfolge. Er ist real und wirklich. Er hört Gebete und steht uns zur Seite. Er ist der „Meetingpoint“ Gottes in der Welt. Wer IHN sieht, der sieht Gott, wer IHN hört, der hört Gott, wer IHM glaubt, der glaubt an Gott. Oder wie C. S. Lewis es sagt:

„Damit versuche ich jedermann vor dem wirklich läppischen Einwand zu bewahren, er sei zwar bereit, Jesus als großen Morallehrer anzuerkennen, seinen Anspruch aber, Gott zu sein, könne er nicht anerkennen.

Gerade das können wir nicht sagen. Ein Mensch, der nur Mensch ist und solche Dinge wie Jesus sagt, wäre kein großer Morallehrer. Er wäre entweder ein Irrer (...) oder der Satan in Person.

Wir müssen uns entscheiden: Entweder war dieser Mensch Gottes Sohn, oder er war ein Narr oder Schlimmeres. Man kann ihn als Geisteskranken einsperren, man kann ihn anspeien und als Dämon töten. Oder man kann ihm zu Füßen fallen und ihn Herrn und Gott nennen. Aber man kann ihn nicht mit gönnerhafter Herablassung als einen großen Lehrer der Menschheit bezeichnen.

Diese Möglichkeit lag nie in seiner Absicht, die hat er uns nicht offen-gelassen.“

C. S. Lewis, Christentum schlechthin, Zweites Buch, Viertes Kapitel

 

Der Zweifel hat dann auch Auswirkungen auf die Lehre und das Leben der Kirche. Es sind sich alle einig, dass nun den vielen Flüchtlingen geholfen werden muss. Aber genauso schnell sind alle dabei zu betonen, diese Situation nicht zur Mission gebrauchen zu wollen. Ich bin darin einig, dass die Notlage nicht ausgenützt werden darf. Aber auf der anderen Seite muss doch auch gefragt werden: Ist es nicht lieblos, den Menschen, die kommen, die beste Nachricht der Welt vorzuenthalten? Ihnen nicht zu sagen, dass da einer ist, der ihre Not, ihre Schuld getragen hat, der ihnen vergibt, sie liebt und ihnen ewiges Leben schenken will…?

 

„Erbarmt euch derer, die zweifeln!“ O Herr, erbarme dich! Erbarme dich der Menschen und erbarme dich DEINER Kirche! Und gib uns Liebe und Geduld.

 

In diesem Sinne grüßt Sie und Euch

Euer Pfr. Holger Schmidt

Monatsspruch für Oktober 2015

Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen? 

Eine echte Hiobsbotschaft

Schon wieder eine Hiobsbotschaft. Eine Hiobsbotschaft jagt die andere. Wie soll das bloß noch weitergehen? Lange verkrafte ich das nicht mehr. Wer hat so etwas nicht schon mal erlebt oder bei anderen mitbekommen?

 

Hiobsbotschaften bringen uns an unsre Grenzen, fordern uns alles ab, sie bedrohen unser Leben. Hiobsbotschaften sind Schreckensmeldungen: ein Unglück nach dem andern, eine schlechte Nachricht nach der anderen. Sie heißen Hiobsbotschaften nach der Gestalt des Hiob aus dem Alten Testament. Hiob war ein wohlhabender Mann, mit allem Drum und Dran, Vieh, Land, 10 Kinder (7 Söhne, 3 Töchter). Vieh zum Beispiel hatte der ohne Ende, allein 7000 Schafe. Dazu kamen noch 3000 Kamele und jede Menge Rinder und Eselinnen. Hiob ging es richtig gut. Fast könnte man sagen, er lebte in Saus und Braus. Doch von einem Tag auf den anderen änderte sich das. Er bekam eine Unglücksbotschaft nach der anderen. Er verlor seine Knechte, seine Schafe verbrannten. Der Wind erfasste das Haus seines ersten Sohnes während seine Kinder darin aßen. In der Folge stürzte das Haus ein - dabei verlor er seine Söhne und Töchter. Nicht genug. Auch seine Kamele wurden gestohlen. Hiob ging es so richtig heftig an den Kragen. Er wurde schwer krank. Geschwüre überzogen seinen Körper. Und das alles, obwohl er ein gottesfürchtiger Mann war.

 

Wie kann das sein, gottesfürchtig sein und trotzdem so viel Leid? Das fragten sich damals viele, wir würden heute wahrschiedlich genauso fragen und wie damals auch nach Gründen dafür suchen.

 

Freunde besuchten Hiob, redeten mit ihm, ihre Haltung war, irgendetwas Böses musst du getan haben, sonst würde es dir jetzt nicht so schlecht gehen. Hiob rastete aus, er bat sie, zu gehen, er konnte ihr Gerede nicht mehr ertragen. Ihn ließ das Ganze nicht kalt, er beschäftigte sich damit, er setzte sich damit tief auseinander, immer im Gespräch mit Gott darüber. Er wollte sich nicht Gott gegenüber rechtfertigen, schon gar nicht in dem Sinne ihn anklagen: ich glaube doch an dich, ich lebe doch, wie du es sagst, wie kannst du nur, habe ich nicht ein Recht darauf, dass du gut zu mir bist und mich an Bösem vorbeiführst, wie ich dir, so du mir?

 

Viele denken bis heute so. Wie oft habe ich das an Krankenbetten oder bei Hausbesuchen gehört: womit habe ich das verdient, ich bin doch ein anständiger Mensch und tue keiner Fliege was zu leide.

 

Nein, das alles sagte Hiob nicht. Er blieb nicht bei sich stehen, wie die meisten. Er grub tiefer. Er dachte über sein Verhältnis zu Gott nach. Was machte es aus? War es ein frommer Deal? Ich tu alles für dich, dann musst mich aber auch vor allem bewahren. Oder war es echte Liebe? Liebe, die voller Dank ist für all das Gute, Liebe, die aber auch das Schwere, das vermeintlich Böse, aus seiner Hand nimmt. Der wahre Glaube zeigt sich in einer Liebe, die Gott freigibt. Manches Schwere ist manchmal besser für uns, weil es uns näher an Gott bindet. So resümiert Hiob am Ende seines Lebens nach all dem Schweren, was er durchgemacht hat: "Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen, aber nun hat mein Auge dich gesehen." (Hiob 42,5)

 

Gerade in den schweren Erfahrungen unseres Lebens schält sich heraus, was unseren Glauben an Gott ausmacht. Deal oder echte Liebe. Oberflächlichkeit oder tiefe Verbundenheit. Funktionalität oder Beziehung der Liebe?

 

Hiob ging nach all dem Schweren auf, dass sein bisheriger Glaube, sein gottesfürchtiges Leben, sehr berechnend und oberflächlich gewesen war, eher Absicherung als echte Beziehung der Liebe. Erst in den tiefen Erfahrungen seines Lebens har er zum echten Glauben an Gott gefunden, der ihn sagen und bekennen ließ: "Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?"

 

Hier sind auch wir gefragt: Ist unser Glaube an Gott eher Absicherung oder echte Beziehung der Liebe, die Gott frei gibt mit uns zu tun nach seinem Willen? Wahre Liebe zu Gott zeigt sich nur so, wie sie Benjamin Schmolck in einem Lied zum Ausdruck bringt, sie gibt Gott frei und bittet: "Schaff's mit mir, Gott, nach deinem Willen, dir sei es alles heimgestellt. Du wirst mein Wünschen so erfüllen, wie's deiner Weisheit wohlgefällt. Du bist mein Vater, du wirst mich versorgen, darauf hoffe ich."

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

 

Volker Steinhoff

Monatsspruch für September 2015

Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.

Mt. 18,3

Liebe Gemeinde, liebe Freunde!

 

Herzlich grüße ich Sie und Euch mit diesem September-Boten. Die Ferien sind vorbei, KiTa, Schule und Arbeit haben wieder begonnen. Einige Senioren machen sich nun in der beginnenden Nachsaison in den Urlaub auf… Ich hoffe und wünsche, dass Sie noch zehren können von den schönen Urlaubs- und Ferientagen und nun mit neuer Kraft in den Herbst gehen können. Der Monatsspruch für September erinnert uns an unsere Kindheit. Da heißt es in Matthäus 18,3: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. (Mt 18,3) Ich erinnere mich noch gut und gern an meine eigene Kindheit. Aufgewachsen im beschaulichen Ostfriesland und in Oldenburg, kann ich dankbar zurückblicken auf eine schöne, behütete Kindheit. Endlose Weiten auf Marsch und Geest, tausende Spiel- und Versteckmöglichkeiten auf dem Bauernhof der Großeltern und in der Nachbarschaft. Baumhäuser bauen und mit dem Wind im Rücken radeln… Ich erinnere mich aber auch an eine gewiss gut gemeinte Bemerkung meines Onkels: „Nun sei mal nicht so kindisch!“, immer dann, wenn ich mich meines Alters unangemessen verhalten hatte.

 

Und nun fordert Jesus uns auf: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Meint er,

wir sollten infantil, also kindisch werden, uns unreif verhalten, wenn es um Glauben und Gott geht? Nein! Ganz sicher nicht. Wir wissen, es gibt einen Unterschied zwischen dem kindischen und dem kindlichen Verhalten. Kindisch ist unangemessen, rückwärtsgewandt und unreif, das meint Jesus nicht. Er meint die Eigenschaft – ja, die Gabe, die Fähigkeit kindlichen Vertrauens. Er meint eine vertrauende Haltung Gott gegenüber. Vielfach hat Jesus von Gott als einem liebenden, fürsorglichen Vater gesprochen, hat seine Freunde ermutigt im Gebet „Abba“, d.h. „lieber Vati“, „Papa“ zu sagen. Er erzählt vom Vater als einem, der nicht festhält, nicht klammert, sondern freigibt. Im Gleichnis vom „verlorenen Sohn“ – in dem es noch einen Bruder gibt, der nicht weniger verloren ist, und vor allem einen liebenden Vater – macht Jesus deutlich, wie Gott ist und dass wir Seiner Liebe und Fürsorge trauen, ja vertrauen können (Luk 15).

 

Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Das bedeutet nun, den eingeschlagenen Weg des Leistungsdenkens, des sich mit anderen Vergleichens und Messens zu verlassen. Und sich glaubend, vertrauend in die Hände des Vaters zu begeben. Vor Gott zählt nicht Leistung oder Gewinn, zählt nicht „Kannste was, dann haste was. Und haste was, dann biste was“! Vor Gott zählt seine Liebe, mit der er uns liebt und uns zu seinen Kindern gemacht hat. Und wie auch bei unseren irdischen Eltern, so auch bei Gott: Wir bleiben immer Kinder unserer Eltern. Und so bleiben wir auch immer Sohn oder Tochter Gottes.

 

Aber ebenso wie sich unser Verhältnis zu unseren Eltern wandelt – aus angewiesenen, schutzlosen kleinen Kindern werden pubertierende Teenager und reife Erwachsene – so soll sich auch unser Verhältnis zu Gott entwickeln. Ja, es darf sich wandeln. Darf reifer, erwachsener werden.

 

Manchmal habe ich den Eindruck, viele Christen leben immer noch ein Hoppe-Hoppe-Reiter-Christentum. Die einen sitzen dem Vati ständig auf dem Schoß (zumindest singen sie es in Lobpreisliedern gern), die anderen machen artig „Bitte-Bitte“ und ihr Gebet dreht sich immer nur um sie: „Herr, ich brauche dies!“, „Bitte mach, dass dieses und jenes geschieht!“ Wieder andere rühmen Gottes Allmacht und beten: „Herr, du weißt…“, und erzählen dem lieben Gott dann, was sie noch so alles wissen…!

 

Ich glaube, dass Gott sich danach sehnt, dass wir in unserem Christsein erwachsen werden, reifer werden, ja, Partner und Partnerin der Leiden und Leidenschaften Gottes werden. Ich glaube, dass Gott sich danach sehnt, dass wir ihn im Gebet fragen: „Herr, was hast du auf dem Herzen? Was kann ich für dich tun?“ Und ich bin davon überzeugt, dass dies Gebet erhört wird. Ja, es ist ein gefährliches Gebet. Denn dann zeigt Gott uns, was er auf dem Herzen hat: Er zeigt uns die vielen flüchtenden Menschen, die ihrer Heimat beraubt sind. Er zeigt uns die vielen Kinder, denen keine glückliche Kindheit beschert ist. Er zeigt uns die viel zu hohe Zahl der Kinder, die noch im Mutterleib abgetrieben werden, die niemals das Licht dieser Welt sehen. Er zeigt uns die vielen Glaubensgeschwister, die in diesen Tagen um ihres Glaubens willen verfolgt und getötet werden. Er zeigt uns die Geschundenen, die Verfolgten, die Leidenden und Sterbenden.

 

Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Leute, sagt Jesus damit, Leute, vertraut dem Vater im Himmel. Er macht es gut mit Euch. Eure Sorgen sind bei ihm gut aufgehoben. Eure Schuld ist längst vergeben. Und nun, wo ihr aus diesem Vertrauen heraus leben und aufatmen könnt, nun möchte ich, dass ihr euch beteiligt an meiner göttlichen Leidenschaft, an meinen göttlichen Leiden. Vertraut, wie ein Kind vertraut und sich verlässt auf den verlässlichen Vater. Und dann, dann werdet tätig in dieser Welt. Ja, wie ein Kind werden, wie ein Kind vertrauen, darum geht es. Vertrauensvoller Glaube an Jesus Christus und den Himmlischen Vater ist nicht weltabgewandt, nicht weltfremd, nicht frömmelnd. Vertrauensvoller Glaube an Jesus Christus und den Himmlischen Vater macht tüchtig für das Hier und Jetzt. Amen.

 

Es grüßt Sie und Euch in Christus

Pfr. Holger Schmidt

Monatsspruch für Juli/August 2015

Jesus Christus spricht: Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.
Mt 10,16

Liebe Gemeinde, liebe Freunde!

 

Mit dieser Doppelnummer des Boten grüße ich Sie und Euch! Es ist Sommer in der City und im Land, Ferienzeit, Urlaubszeit. Der Monatsspruch für den Sommermonat August mag dazu wenig passen:Jesus Christus spricht: „Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.“ Fast streng mahnt der Monatsspruch dazu, nicht leichtfertig in möglichen Feriengefühlen zu dümpeln. Die Aussendung der zwölf Jünger bildet den Zusammenhang unseres Monatsspruches: Jesus sendet seine Leute zu den Menschen. „Geht hin!“, sagt er. „Predigt und redet, macht gesund, weckt Tote auf und treibt böse Geister aus. Und wenn euch jemand nicht hören will, dann geht eben weiter und schüttelt den Staub von euren Füßen.“ -„Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe! Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.“

 

Schon ist das wunderbar leichte Sommergefühl dahin, falls es sich eingestellt haben sollte! Klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben! Aber: Sind Schlangen klug, Tauben ohne Falsch? Was denkt sich Jesus nur? Er vergleicht Menschen mit Tieren, die in ihrem Verhalten mit uns Menschen nichts gemein haben! Was können die armen Viecher dafür, dass wir Menschen uns verstellen können!? Tiere aber sind Tiere, und was in ihnen vorgeht, das ist für uns noch immer weitestgehend ein Geheimnis. Ohne Falsch wie die Tauben, klug wie die Schlangen. Jesus schickt seine Leute wie Schafe unter die Wölfe, und das zu jeder Jahreszeit. Dabei mag ich Tauben nicht –zumindest nicht, wenn sie im Rudel (bei Tauben heißt das wohl „Trupp“) auftauchen, und vor Schlangen habe ich Respekt. Die Tauben nerven mich. Sie sind überall und hinterlassen ihre Spuren. Auf den Plätzen machen sie alles schmutzig. Kein Bauwerk, das nicht mit „Anti-Tauben-Spikes“ bewährt ist. Nur in den Kirchen haben sie als Überbringer eines grünen Zweiges, der das Weiterleben nach der Flut anzeigt, einen guten Stand. Oder als Zeichen für den Heiligen Geist, der sich aufmacht zu den Menschen, gaukelnd leicht wie eine Taube. Aber im Leben hier in meiner Straße sind sie nicht so gern gesehen.

 

Und Schlangen? Sie sind eher selten in unseren Gefilden. Das hängt mit der Witterung zusammen. Sie müssen sich ja wärmen, sonst bleiben sie „cool“. In der Tat sind Schlangen keine Hitzköpfe an sich. Allerdings können sie aus der Haut fahren, wenn sie ihr entwachsen sind. Das ist schon faszinierend! Aber dann ist da die Sache mit dem Gift, das eventuell in ihnen zu finden ist. Die Droge im Zahn -mal heilend, mal tötend. Weisheit wird ihnen zugeschrieben, und unheimlich sind sie den meisten Menschen.Ich weiß noch, wie ich einmal in Indien mit einer Delegation unsere Lutherische Partnerkirche besucht habe und wir dort in einem der Kirchdörfer auf eine Schlange gestoßen sind. Ich hatte großen Respekt. Majestätisch bewegend kam sie auf uns zu. Gottseidank bog sie rechtzeitig ab. Sie hatte wohl auch Respekt vor uns… Kluge Schlange! 

 

Jesus schickt uns mit seiner Botschaft in keine Sommeridylle, sondern in unsere anstrengende Welt. Keine wonnige Zeit verheißt er uns als seine Boten, sondern Härte in der Auseinandersetzung mit der Welt. Das ist die Herausforderung! Schafe unter Wölfen, das bedeutet Kampf um das Leben. Wir als angesprochene Schafe sollen nicht lammfromm stillhalten, sondern mehr als geschickt sein –gesandt sein. Geschickt im Umgang mit der anders denkenden Welt. Klug in der Auseinandersetzung mit der anders glaubenden Welt. Kann ich respektieren, dass es andere Arten gibt, einen Glauben zu leben? Kann ich es aushalten, dass nebenan Gott „Allah“ genannt wird, oder „Adonai“? Kann ich trotzdem meinen eigenen Glauben an Jesus Christus formulieren und in einen Dialog treten mit den Menschen, die anders glauben, als ich es tue? Kann ich den anderen, meinen Nächsten lieben und trotzdem festhalten an der Einzigartigkeit Jesu Christi, der sagt: „ICH bin der Weg, die Wahrheit und das Leben…“? Kann ich politisch handeln aus meinem Glauben heraus, ohne den anderen zu diffamieren? Nicht zu schweigen, wenn anders denkende Menschen auftreten, sondern zu reden, das ist die Kunst. Miteinander zu reden und miteinander das Gute zu suchen, bei allen Unterschieden und bei allen zu respektierenden Andersartigkeiten, das ist christlicher Auftrag in dieser Zeit. Selbstbewusst und ohne Falsch! Tauben hin oder her! So wünsche und erbitte ich einen spannenden Sommer, nicht nur Erholung und Ruhe, sondern auch einen Sommer der klugen Gedanken und inspirierenden Auseinandersetzungen mit coolem, kühlem Kopf.

 

Es grüßt Sie und Euch in Christus

Pfarrer Holger Schmidt

Monatsspruch für Mai 2015

Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt.
Phil 4,13

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,

 

„Ich kann alles!“ „Ich kann alles erwarten!“ – Also mal ganz ehrlich, das ist doch ganz fürchterlich überheblich! Arrogantes Getue, was einem Christen überhaupt nicht ansteht. Wie kann man nur so großkotzig sein? Man muss doch ganz bescheiden und möglichst klein von sich denken. Man sollte sich und seine Möglichkeiten ja nicht überschätzen. Denn „Hochmut kommt vor dem Fall.“ - das wissen wir alle. Deshalb ist es besser, sich im Leben nicht zu viel vorzunehmen, denn dann kann man auch nicht enttäuscht werden! Einen Beruf wählen, der sicher und solide ist, brav in die Rentenversicherung einzahlen, denn man weiß ja nicht, was noch kommt, und nur keine extravaganten Touren im Leben! Das könnte ins Auge gehen. – Und dann solch ein Wort: Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht. Paulus, wie kommst du dazu, solch ein Wort zu sagen?

 

Antwort: Ich habe IHN so erfahren! Gott hat Jesus von den Toten auferweckt – Jesus lebt und ich lebe nun mit ihm. Oder besser: Christus lebt in mir! (Gal. 2,20) Nun geht’s los! Ich frage mal ganz direkt: Was erwartest Du von Gott? Manchmal können wir ja tatsächlich auch sehr viel erwarten, vom Pfarrer z.B., oder von den Kindern oder von den Kollegen und Mitarbeitern und auch von uns selbst. Aber manchmal können einen diese Erwartungshaltungen auch ganz schön fertig machen, wenn man sie nicht erfüllen kann. Aber wie ist das eigentlich Gott gegenüber?

 

Ich habe oft den Eindruck, dass wir gar nichts mehr von Gott erwarten, als dass er uns vielleicht in Ruhe lässt. Und ich glaube, dass genau darum auch so oft Funkstille zwischen uns und Gott herrscht, und dass es darum mit dem Gebet nicht mehr so richtig klappt. Wenn zwei Menschen sich nichts mehr zu sagen haben, dann ist das meist ein Zeichen dafür, dass sie nichts mehr voneinander erwarten. – Ist das eigentlich auch deine Haltung Gott gegenüber?

 

Nichts mehr vom anderen zu erwarten, ist auch ein Zeichen von Lieblosigkeit, und nichts mehr von Gott zu erwarten, ist ein Zeichen von Lieblosigkeit Gott gegenüber. Ein Pfarrer wagte in seiner Kirche einmal ein interessantes Experiment: Drei Personen wurden nach ihren Zielen, Wünschen und Vorstellungen für das kommende Jahr befragt. Der erste Mann sagte, dass er eigentlich nicht viel Positives für das kommende Jahr erwarten würde. Seine Ehe würde kränkeln und auch beruflich und in seinem Glauben gäbe es jede Menge Probleme. Der zweite Mann sagte, dass er nicht damit rechnen würde, das kommende Jahr noch zu überleben. Er sei jetzt 60 und in seiner Familie gäbe es niemanden, der älter als 61 Jahre geworden wäre. Und dann war da noch eine Frau. Sie hatte auf einem Zettel 10 Ziele für das kommende Jahr formuliert und diesen Zettel in einen versiegelten Briefumschlag gesteckt. Das Jahr ging vorüber. Der erste Mann hatte wirklich genau das bekommen, was er erwartet hatte. Der zweiten Mann war kurz vor seinem 61. Geburtstag gestorben. Und die Frau? Acht von zehn Zielen, die sie sich gesetzt hatte - und für die sie sicherlich auch gearbeitet hatte - die hatte sie auch erreicht!

 

Wenn wir von uns, vom Leben, ja von Gott nichts mehr erwarten, dann werden wir auch nichts bekommen, oder nur das bekommen, was wir erwartet haben. Warum erwarten wir nicht mehr? Das gilt für unseren Beruf, für unsere Familie, für die Beziehung zu anderen Menschen und es gilt auch für unsere Kirche, für unsere Gemeinde… Paulus sagt doch: Christus ist auferstanden! Er lebt! Nun erwarte was von ihm! Trau dem Auferstandenen zu, dass Leben zu haben und dir Leben und Fülle zu geben!

 

Wisst Ihr, wie man einen alten Knochen aus dem Maul eines Hundes bekommt? Gut zureden? Schimpfen? Vielleicht auch einen Appell an die Moral: "So etwas tut man doch nicht! So einen alten Knochen, den nimmt man doch nicht in den Mund!" Oder mit brachialer Gewalt - fest zupacken und dann raus damit? Anschließend ist ein neues Hundegebiss fällig. Es hilft tatsächlich nur eins: Dem Hund eine neues frisches Stück Fleisch hinhalten. Dann lässt er den alten Knochen von alleine fallen.

 

Ich weiß nicht wie bei Dir die alten Knochen aussehen, die Dich am Leben hindern. Ich will mich auch nicht zu lange mit der Knochenkunde aufhalten, denn wer sich nur mit alten Knochen umgibt, der wird selber zum alten Knochen… Hier nur ein paar Exemplare: Bitterkeit, mangelnde Vergebungsbereitschaft, Nachtragend sein, Minderwertigkeitsgefühle, Angst zu versagen, Denksperren oder Scheren im Kopf, wie: „Das geht nicht! Das kann man nicht machen! Das schaffst du nie! Das haben wir schon immer so gemacht! Das haben wir noch nie so gemacht! Du bist ein Schwärmer! Komm mal wieder in die Realität zurück! Du bist genauso wie deine Mutter oder dein Vater! Du bist ein Versager!“

 

Wir könnten da noch lange weiter machen. Aber das will ich nicht. Denn das zieht nach unten, so wie es Dich vielleicht schon über lange Jahre hinweg nach unten gezogen hat, weil du es dann schließlich selber glaubtest, was man dir gesagt hatte.

 

Heute ruft uns der Apostel Paulus zu: Lass die alten Knochen fallen! Sie hindern dich zu leben - wirklich zu leben. Sie hindern dich daran, das zu tun, was Gott in dich hinein gelegt hat und womit er dich gebrauchen kann. Jesus lebt, darum gilt: Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht. Phil 4,13

 

Gott segne Dich und mache Dich tüchtig, durch Jesus den auferstandenen Herrn!

Ihr und Euer Pfr. Holger Schmidt

Monatsspruch für April 2015

Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!
Mt 27,54

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,

 

mit diesem April-Boten wünsche und erbitte ich für Sie und Euch ein gesegnetes Osterfest!

Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! So hören und so rufen wir es uns zu in den Ostergottesdiensten. Gott hat seinen Sohn bestätigt! Jesus ist nicht im Tode geblieben. Er ist auferstanden! Er lebt. Das glauben und wissen Christen seit Ostern, seit den ersten Begegnungen des Auferstandenen mit seinen Jüngern und den Frauen, die ihm nachgefolgt waren. Die Ostergewissheit, der Glaube an die Auferstehung verdankt sich der Begegnung mit dem Auferstandenen selbst. Nicht allein das leere Grab haben die Jünger, oder die ersten Christen überzeugt, es war der lebendige Herr selbst, der den Seinen Glauben schenkte. Und so ist es bis heute: Glaube entsteht in der Begegnung mit Jesus Christus.

 

Mir sagte ein Mann: „Ihr immer mit dem Glauben! Ich kann nicht glauben!“ Als ich ihn dann fragte ob er denn schon mal in einem Gottesdienst, oder in einem Glaubenskurs gewesen sei, oder auch nur Kontakt zu Christen pflege, verneinte er all dies. Und da liegt der (Oster)Hase im Pfeffer! Glaube entsteht in der Begegnung mit Jesus Christus! Wer aber immer das „Nicht-glauben können- Credo“ wie eine Fahne vor sich trägt, der wird auch keine Veränderung erfahren! Wer nicht glauben will, dem drängen wir uns nicht auf! Wer aber nicht glauben kann – es aber gern möchte, den laden wir herzlich ein, Christus zu begegnen, in seinem Wort in Gottesdienst, Glaubenskurs oder Bibelkreis. Und wenn er getauft ist, auch im Sakrament des Altares.

 

Oster-Glaube wird geweckt in der Begegnung mit Jesus Christus! Und hier nun kommt noch etwas anderes hinzu: Glaube kann auch entstehen, in der Gegenwart anderer Christen. Und hier nun kommt Ihr / kommen Sie ins Spiel, liebe Schwestern und Brüder! Ihr, die ihr an den Auferstanden glaubt, die ihr gute Erfahrungen mit Jesus gemacht habt, erzählt davon, lasst andere daran Anteil haben. Segnet eure „noch-nichtglaubenden Freunde“ und betet für sie. Es hat einmal jemand gesagt: „Die Christen sind die einzige Bibel, die die Noch-Nicht-Christen überhaupt noch lesen.“ Würde der Satz stimmen, wäre das eine große Überforderung für die Andacht 3 Christen, aber wenn nur ein Funke daran wahr ist, dann lohnt es sich bereits, sich bewusst zu machen, dass jeder und jede dazu beitragen kann, den österlichen Glauben, die Freude mit Jesus zu leben, an andere weiterzugeben.

 

Gott segne Sie und Euch durch die hingebende Liebe unseres auferstandenen Herrn Jesus Christus!

 

Ihr / Euer Pfarrer Holger Schmidt 

Monatsspruch für März 2015

Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?
Röm 8,31

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,

 

herzlich grüße ich Sie und Euch mit diesem März- Boten. Auf dem Deckblatt sehen wir eine Darstellung des Jüngers, den Jesus lieb hatte, an der Brust Jesu. Es ist die Szene aus dem Abendmahlssaal am Gründonnerstag darstellt (Johannes 13, 21-30). Ein unsichtbares Band der Liebe umspannt die beiden, die wir auf dem Bild sehen: Christus und der Lieblingsjünger, der immer wieder mit dem Apostel Johannes identifiziert wird. Es ist für mich eine der schönsten Darstellungen des christlichen Glaubens: Glaube als Beziehung, als Liebe zum Herrn.

 

Es geht beim Glauben nicht zuerst um Wissen, „für-Wahr-halten“ oder Dogmen, es geht um innige Verbundenheit zwischen Jesus und dem Jünger, den er liebte und der ihn liebte. Es ist ein anmutiges und von einzigartiger Ruhe bestimmtes Bild. Ein Andachtsbild. Ein Sehnsuchtsbild. Ein Vollkommenheitsbild. Man kann es nicht sehen, ohne berührt zu werden, berührt von einer Sehnsucht, die keine andere Botschaft kennt als die der Erfüllung durch die Liebe. Hier ruht einer ganz und gar an der Seite seines Herrn. Die Augen geschlossen, der Kopf ist angelehnt, seine Hand liegt in der Hand des Meisters, schwebend, leicht und voller Zartheit.

 

Diese Johannesminne, wie man diese Plastik auch nennt, steht, überraschend klein, in einer Nische im Chor des alten Zisterzienserinnenklosters in Heiligkreuztal bei Riedlingen an der Donau. Aus Nussbaum geschnitzt, entstand sie zu Anfang des 14.Jahrhunderts. Sie erzählt vom Gespräch der Herzen. Wir sehen Christus, golden und silbern gewandet, mit ruhigen, offenen Augen. In ihm ist Gott gegenwärtig. Der andere, kleiner, grün und rot gewandet, Farben des irdisch-menschlichen, zugleich Farben der Liebe und der Hoffnung, trägt einen goldenen Umhang, Zeichen für das wahre Gewand, das Gott ihm verlieh, das Gewand des Glaubens. Der Glaube, der ihm die Zuversicht gibt, sein Herz am Herzen Jesu ruhen zu lassen. Er, der Lieblingsjünger, an die Brust seines Herrn gelehnt, erscheint überraschend im Johannesevangelium zu Beginn des Passionsweges Jesu. Im Abendmahlsaal im Vorschein des Verrats durch Judas hören wir zum ersten Mal von ihm, unterm Kreuz begegnen wir ihm dann wieder.

Auch beim österlichen Mahl ist er zugegen, ist die Stimme der Wahrheit, der Zeuge der göttlichen Liebe. Mit Johannes hat man ihn identifiziert, aber noch mehr ist er ein Sinnbild des wahren Jüngers, und so kann er für einen jeden von uns stehen. Für einen jeden von uns, für ich und mich. „Woran du dein Herz hängst,“ sagt Martin Luther, „das ist dein Gott.“ Hier spricht ein Herz zum Herzen. Die Liebe Christi fließt über auf den Jünger, den er liebt und der ihn liebt. Hier hat es sich erfüllt, das Bleiben. Das Bleiben in Jesu Liebe, „auf dass meine Freude in euch bleibe. Bleibt in meiner Liebe, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde“ sagt Jesus. (Joh 15,9.11)

 

Wir befinden uns in der Fasten- und Passionszeit. Der Zeit, in der wir unseren Herrn Jesus begleiten und sein Leiden und Sterben meditieren. Die Passionszeit gibt uns Gelegenheit uns zu fragen, woran wir unser Herz hängen, was unserem Leben Sinn und Halt gibt. Wofür unser Herz schlägt. Die Johannesminne kann unseren Blick lenken auf das Zentrum unseres Glaubens, auf IHN unseren Herrn, der uns liebt und an den wir uns anlehnen können.

 

So wünsche und erbitte ich für Sie und Euch wesentliche Tage in dieser Zeit auf dem Weg hin zu Ostern. Gott segne Sie und Euch durch die hingebende Liebe unseres Herrn Jesus Christus!

Ihr / Euer

Pfarrer Holger Schmidt

Monatsspruch für Februar 2015

Ich schäme mich des Evangeliums nicht: Es ist eine Kraft

Gottes, die jeden rettet, der glaubt. Röm 1,16

Liebe Gemeinde, liebe Freunde unserer Gemeinde.

Von Herzen wünsche und erbitte ich Ihnen und Euch auf diesem Wege ein gesegnetes und behütetes Jahr des Herrn 2015! Viel ist schon wieder geschehen in diesem noch so jungen Jahr. Menschen für und gegen PEGIDA gingen und gehen auf die Straßen, die Anschläge in Paris versetzen uns in Angst, Trauer und Wut. Und der Islam ist in aller Munde… Was ist da für Christen dran? Wie sollen, ja wie können wir als „Jesus-Leute“, als Nachfolger „des Nazareners“ leben, handeln, reagieren? Der Apostel Paulus ruft uns im Monatsspruch für Februar das Zentrum unseres Glaubens ins Gedächtnis: „Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen. (Römer 1,16) Wir brauchen uns unseres Glaubens nicht zu schämen! Allerorten kann man zur Zeit die Zurückweisung des christlichen Glaubens erleben: Da sollen Advents- und Weihnachtsmärkte in Wintermärkte umbenannt werden, da dürfen kath. Sternsinger nicht in das Bildungsministerium in Brandenburg, weil man eine religiöse Vereinnahmung fürchtet, … und gleichzeitig ist der Islam auf den Straßen und Gassen präsent. Allein vom Erscheinungsbild: Jede Muslima mit Kopftuch oder in Burka verhüllt ist ein Zeichen der Präsens des Islam. Das wir uns nicht falsch verstehen: Ich freue mich über jeden frommen Menschen. Ein religiöser Mensch ist mir näher als jeder Atheist. Und wir haben als Staatsbürger eines freiheitlich-demokratischen Staates alles dafür zu tun, dass jede und jeder seine Religion frei ausüben darf und das friedliche Zusammenleben erhalten bzw. ermöglicht wird. Und gleichzeitig sind wir Christen aufgefordert, Zeugen der Wahrheit zu sein. „Ich schäme mich des Evangeliums von Jesus nicht.“ Die gute Nachricht, dass Gott uns in Jesus nahe gekommen ist, dass er Frieden gemacht hat, dass er uns zu seinen Söhnen und Töchtern gemacht hat, uns durch Jesus die Schuld vergeben hat und wir nach diesem Leben ein ewiges Leben erwarten dürfen. Das meint frohe Botschaft: Evangelium. Diese Botschaft, sagt Paulus, das Evangelium ist eine Kraft. Ja, Leben ist anstrengend, braucht Kraft und Glaube auch. Und hier ruft Paulus aus: Das Evangelium ist eine Kraft von Gott! Es ist Gottes Kraft! Er tut, ja, er hat alles getan: Der Himmel steht offen. Evangelium meint eben auch: Du bist, so wie du bist, geliebt! gewollt! angenommen! Du brauchst nicht erst durch religiöse Übungen oder gar Opfer eine Gottheit gnädig stimmen. Du bist auch nicht bestimmt, von einem „irgendwie geartetem Schicksal“ – du bist geliebt, von einem leidenschaftlichen Liebhaber des Lebens = von Gott!

Und nun kann man immer öfter hören: „Wir glauben doch alle an einen Gott!“ Aber ist der Gott Israels, der Gott, Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Vater Jesu Christi wirklich derselbe wie der Allah des Koran? Muslime sagen: „Allah hat keinen Sohn! Was die Christen da sagen ist gotteslästerlich!“ Jesus ist im Koran nur ein Prophet, der nicht am Kreuz gestorben ist, auch das wäre gotteslästerlich. Und eben das bezeugt uns die Heilige Schrift, das Neue Testament: Er der Einzig-Eine, der Schöpfer Himmels und der Erde kam zur Welt in Jesus seinem Sohn um diese Welt zu erlösen: „Welt ging verloren, Christ ist geboren!“ So haben wir in den Weihnachtsgottesdiensten wieder gesungen. Das ist doch kein romantisches Liedchen, das man singt um die Seele ein wenig zu wärmen. Unsere Lieder, sind Bekenntnisse: „Ich schäme mich nicht…“ Jesus starb für uns und zu unserem Heil, zur Rettung von Sünde, Tod und Teufel!

Ja, eine freie Gesellschaft braucht die öffentliche Diskussion über gegensätzliche Positionen und dies ohne Gewaltanwendung und nach Regeln, die das friedliche Zusammenleben gewährleisten. Toleranz bedeutet nicht, dass ich meine Meinung verschweige: „Ich schäme mich nicht…“ Atheismus und Glaube an Jesus Christus sind unvereinbar. Trotzdem können Christen und Atheisten friedlich miteinander leben und sinnvoll zusammenarbeiten. Der Glaube an Jesus Christus und der Glaube an den Koran sind unvereinbar. Entweder hat Gott sich in seiner Liebe im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus offenbart, oder der Koran (Sure 4,157-158) hat Recht, wonach Jesus, der Prophet, nicht gekreuzigt wurde. Jesus als Gott anzubeten ist nach dem Koran Götzendienst und eine Sünde, die nicht vergeben wird. Die Wahrheit ist, dass der Glaube an den dreieinigen Gott und der Glaube an den Gott des Korans unvereinbar sind.

Jesus Christus ist Herr und Heiland für alle im Glauben! Alle Menschen, zu allen Zeiten, aus allen Völkern und an allen Orten sollen die gute Nachricht, das Evangelium hören und an Christus dem Herrn glauben. Universell gilt sein Anspruch: Christus spricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich! Joh 14,6 Karl Barth sagt: Christus ist das Ende der Religion. Jede Religion versucht auf ihre Weise, der Gottheit nah zu kommen, ihr wohlgefällig zu leben.

Allein in Jesus Christus kehrt sich die Sache um: In Christus kommt Gott zum Menschen! Darum, können wir als Christen von der Einzigartigkeit Jesu Christi sprechen und wir müssen es auch tun. Und zur Wahrheit gehört auch, dass Jesus seinen Nachfolgern die Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung oder Verteidigung ihres Glaubens verboten und die Feindesliebe geboten hat. Wann immer Christen dies missachteten und Gewalt gebrauchten, haben sie damit Jesus verraten. Jesus hat in der Bergpredigt (Mt 5,38-45) auch die Gebote des Alten Testaments zur Gewaltanwendung aufgehoben.

Koran und Sunna lehren in Sachen Gewalt leider etwas anderes. Trotzdem müssen und können wir Wege suchen und hoffentlich auch finden, wie Christen und Muslime in Frieden miteinander leben. Dabei hilft es allerdings nicht, die Unterschiede und Gegensätze zu leugnen. Denn Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen! (1. Tim. 2,4-6)

Wir fragten eingangs: Wie reagieren wir? Wir sind aufgefordert Zeugnis abzulegen über die Wahrheit, an die wir glauben und wir sind aufgefordert, einander anzunehmen, einander zu lieben und zu segnen. Denn die gute Nachricht von Jesus Christus, das Evangelium befreit zu einem neuen Miteinander: Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob (Röm 15,7) Gott segne Sie und Euch durch Jesus Christus!

Ihr / Euer

Pfarrer Holger Schmidt

 

Monatsspruch für Dezember 2014

Die Wüste und Einöde wird frohlocken,
und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien.
Jes 35,1

Liebe Gemeinde, liebe Freunde!

 

Mit dieser Doppelausgabe des Boten grüße ich Sie und Euch herzlich! Er umfasst die Advents-, Weihnachts- und Epiphanias-Zeit. Die Zeit, in der wir uns bewusst machen, dass Gott nicht fern von uns ist. Dass er in seinem lieben Sohn Jesus Christus in diese Welt hineingekommen ist und er ein vitales Interesse am Gelingen seiner Welt hat. Wenn Gott erscheint, dann verändert sich alles: Dann wird das Dunkel erhellt, wird Schuld vergeben, verkorkste Biographien zu Recht gebracht, dann blüht selbst die Wüste auf. So jedenfalls sagt es der Monatsspruch für den Monat Dezember, der dem Jesaja-Buch entnommen ist: Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien.

 

Und wenn wir im 35. Kapitel bei Jesaja weiterlesen, hören wir aus dem Neuen Testament recht vertraut klingende Verse: 4b Seht, da ist euer Gott! Er kommt zur Rache; Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen. 5 Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden. 6 Dann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch, und die Zunge der Stummen wird frohlocken. Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande.

Worte, die das Wirken Jesu wunderbar beschreiben. Er ist der, der da kommt. Er ist es, der heile macht, der hilft, vergibt und rettet und ja, der auch richtet. Aufrichtet und zu Recht bringt. Die Adventszeit ist seit Alters her immer auch eine Bußzeit gewesen. Eine Zeit der Erwartung, der Vorbereitung und der Umkehr. Und dann, dann kommt mit dem Weihnachtsfest die große Festfreude, in der wir mit den Engeln singen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. Lukas 2,14.

 

Ich wünsche und erbitte für Euch/ Sie und Eure/Ihre Lieben eine geduldige Wartezeit im Advent, ein fröhliches Christfest und ein behütetes Jahr 2015. Und in all dem den Segen und das Heil Gottes in und durch seinen lieben Sohn, unseren Herrn Jesus Christus.

 

Ihr / Euer

Pfarrer Holger Schmidt

 

Monatsspruch November 2014

Lernt, Gutes zu tun! Sorgt für das Recht! Helft den Unterdrückten! Verschafft den Waisen Recht, tretet ein für die Witwen! Jes 1,17

Liebe Gemeinde, liebe Freunde!

 

Die Tage werden kürzer, die Sonne steht tief, und überall werden die Schatten länger. So mancher wird in den kommenden Tagen auf den Friedhof gehen und die Gräber schmücken. Es ist November geworden. Zeit zur Erinnerung und Zeit zum Gedenken.

Auch das Kreuz auf dem Deckblatt unseres Gemeindeblattes wirft einen Schatten. Das Zeichen unseres Herrn Jesus Christus, das Zeichen unseres Glaubens prägt den Baumstamm. So meint es wohl auch der Apostel Paulus, wenn er schreibt: Durch Christus hat Gott auch euch sein Siegel aufgedrückt. Christen sind geprägt, gezeichnet mit dem Zeichen des Kreuzes. Es ist quasi das Pluszeichen vor unserem Leben. Von daher wird alles neu bestimmt: Unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und unsere Zukunft ist bestimmt vom Segensund Siegeszeichen Jesu. Er, der am Kreuz starb, ist

auferstanden und lebt. Das Kreuz ist leer und wir, die wir heute mit ihm leben, haben Anteil an seinem Sieg. Haben Anteil an dem Segen, den er dieser Welt schenkt. Und so

können wir anders umgehen mit Herausforderungen, mit Ängsten und Nöten, können anders umgehen mit Schuld und auch mit dem Tod. Ja, die Gesegneten des Herrn

können einmal auch das Zeitliche segnen. So wünsche und erbitte ich für Sie und Euch

einen gesegneten November, Zeiten des Erinnerns und Gedenkens Zeiten des Segens

Gott segne Sie/Euch durch Jesus Christus

 

Ihr / Euer Pfr. Holger Schmidt

Monatsspruch Oktober

Ehre Gott mit deinen Opfern gern und reichlich,
und gib deine Erstlingsgaben, ohne zu geizen.
Sir 35,10

Liebe Gemeinde!

 

Kennen Sie noch den Brauch, ein frisches Brot vor dem Anschneiden mit dem Brotmesser zu segnen? Mein Urgroßvater, so berichtete mir meine Großmutter, ritzte dazu mit dem Messer ein Kreuzzeichen in den Brotlaib, bevor er ihn anschnitt. Damit brachte er seinen Dank an Gott für das tägliche Brot zum Ausdruck.

 

Liebe Gemeinde, das Erntedankfest steht vor der Tür und es erinnert uns daran, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir reichlich zu essen und zu trinken haben. Wir können zwar vieles dazu beitragen, aber ohne den Segen Gottes gibt es kein Leben, kein Wachstum, keine Ernte. So werden wir auch vom Monatsspruch für den Monat Oktober aufgefordert: Ehre Gott mit deinen Opfern gern und reichlich, und gib deine Erstlingsgaben,

ohne zu geizen.

 

Gott danken und ehren, das mag einleuchten, aber was ist mit Opfern gemeint? Ist es denn nicht so, dass seit dem einmaligen Opfer Jesu am Kreuz alle anderen religiösen Opfer abgeschafft sind?

 

In der Tat. Seitdem Christus sich für uns und zu unserem Heil hingegeben hat, brauchen wir Gott keine Opfer mehr zu bringen. Und selbst die röm.-kath. Kirche spricht heute nicht mehr von der Wiederholung des Kreuzesopfers in der Messe. Wenn wir Gottesdienst feiern, dann dient uns Gott dadurch, dass er zu uns spricht, uns segnet, unsere Gebete gern hören möchte und uns mit Leib und Blut Christi im Heiligen Mahl stärkt und uns so Vergebung der Sünden, Leben und Seeligkeit schenkt, wie Martin Luther es ausdrückt. Wir sind Empfangende, wenn wir Gottesdienst feiern. Und doch können wir mit Jesus Sirach unsere Lob-Opfer darbringen, wenn wir vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt unser Glaubensbekenntnis sprechen oder Gott mit unseren Liedern ehren und anbeten:

Lasset uns singen, dem Schöpfer bringen Güter und Gaben; was wir nur haben, alles sei Gotte zum Opfer gesetzt! Die besten Güter sind unsre Gemüter; dankbare Lieder sind Weihrauch und Widder, an welchen er sich am meisten ergötzt. Abend und Morgen sind seine Sorgen; segnen und mehren, Unglück verwehren sind seine Werke und Taten allein. Wenn wir uns legen, so ist er zugegen; wenn wir aufstehen, so lässt er aufgehen über uns seiner Barmherzigkeit Schein. (EG 449, 3-4)

 

Am 5. Oktober feiern wir in einem zentralen Gottesdienst für die ganze Gemeinde unser Erntedankfest. Lassen Sie sich einladen zu einem dankbaren Lebensstil. Lassen Sie sich einladen zu einem lobenden Lebensstil. Lassen Sie sich einladen, auch an die zu denken, die unsere Hilfe und Unterstützung dringend brauchen, denn: Ehre Gott mit deinen Opfern

gern und reichlich, und gib deine Erstlingsgaben, ohne zu geizen.

 

Gott segne Sie/Euch

Ihr / Euer Pfr. Holger Schmidt

 

Monatsspruch September

Sei getrost und unverzagt, fürchte dich nicht und lass dich nicht erschrecken
1.Chr 22,13

Liebe Gemeinde, liebe Gäste und Freunde unserer Gemeinde!

 

Die Sommerferien und der Urlaub sind vorbei, unsere Kinder gehen wieder in die Kita oder in die Schule, der Alltag hat uns wieder und auch das Gemeindeleben mit seinen Gruppen und Kreisen geht nun wieder richtig los. Da kommt es gerade recht, dass wir durch den Propheten Nehemia daran erinnert werden, was - bzw. wer uns durchtragen möchte.

 

Tragen und unterstützen im Auf und Ab unseres Alltags mit all seinen kleinen und großen Sorgen, Ängsten und Nöten: So heißt es beim Propheten Nehemia: Seid nicht bekümmert; denn die Freude am HERRN ist eure Stärke. (Neh 8,10). Stark sein, durchhalten, weiter machen, die Leistung bringen, die von uns gefordert wird, das ist immer wieder dran. Und viele von uns ächzen unter der Belastung ihres Alltags… Nehemia ruft uns zu: "Bekümmert euch nicht! Lauft nicht mit kummervollem Blick umher!

Sorgt euch nicht!"

 

Und auch Jesus ermutigt uns zum Vertrauen auf den himmlischen Vater und sagt: Sorgen machen bringt nichts! "Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft".

 

Was jedoch hilft, ist der Blick nach oben, der Glaube an Gott, das Vertrauen, dass ER da ist und helfen will und kann! Das, so sagt Nehemia, das macht froh und gibt Kraft! "Seid nicht bekümmert; denn die Freude am HERRN ist eure Stärke! Und diese Erfahrung, liebe Gemeinde, haben viele von uns auch schon gemacht. Gott ist da! Er ist nicht fern. Im Gebet können wir ihm unsere Lasten bringen und ER ist da, hört zu und hilft tragen. Wer einmal die Erfahrung gemacht hat, dass Gott nahe war, dass er geholfen hat, dass er Gebete gehört, ja sogar erhört hat, der wird nicht umhin kommen, sich zu freuen. Und Friede kehrt dann ein in die Seele eines Menschen. Da, wo eben noch Sturm und Angst war, da zieht Zuversicht und Freude ein. Und diese Freude, die gibt Kraft zum nächsten Schritt. So wünsche und erbitte ich für Sie und Euch den Blick zum HERRN, der da ist, der hilft, der hört und trägt. Ich wünsche und erbitte für Sie und Euch die Kraft, die aus der Freude erwächst.

Amen.

Ihr Pfarrer Holger Schmidt

Liebe Gemeinde, liebe Freundinnen und Freunde!

 

Diese Zeilen schreibe ich nach dem ersten Spiel unserer Nationalelf mit vier Toren. Und ich bin gespannt, wie viele deutsche Tore noch folgen - es ist "WM-Zeit". Bald beginnen die Sommerferien in Berlin und so manchen treibt es an die See, in die Berge oder ferne Länder - es ist "Reise-Zeit". Das schöne Wetter lockt viele in unserem Kietz ins Schwimmbad oder zur Eisdiele an der Ecke - es ist "Eis-Zeit" - Ja, es ist Sommer-Zeit.

 

Über all die Zeiten hinweg ist es aber auch Gottes-Zeit. Er hat versprochen, bei uns zu sein, uns zu begleiten, in guten und bösen Tagen. Dies hat auch Asaf, der Beter des 73. Psalms erfahren. So kann er - nach einer erfahrenen Tiefphase seines Lebens - sagen: "Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an." (Ps 73, 23-24. Spruch für den Monat Juli). So ist es, ob durch Hohes oder Tiefes, ob Sonnenschein oder Hagelwetter, in Gesundheit oder Krankheit, Gott ist treu an unserer Seite. Wenn uns auch Menschen enttäuschen oder verlassen, ER verlässt uns nicht und wird uns nicht enttäuschen. Paulus gibt uns dafür auch den Grund an: Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? […] Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. (Römerbrief, Kapitel 8, 31ff) Wenn das kein Grund zur Freude, zur Gewissheit und zum Singen ist: Singt dem Herrn, alle Länder der Erde! Verkündet sein Heil von Tag zu Tag! (1.Chr 16,23 Spruch für den Monat August).

 

So wünsche und erbitte ich für Sie und Ihre Lieben einen wunderschönen Sommer. Wo immer Sie ihn auch verbringen, bleiben Sie behütet!

 

Ihr Pfr. Holger Schmidt

Monatsspruch Juni

Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.
Gal 5,22-23

Liebe Gemeinde,

 

Wenn wir um unsere Gemeindehäuser und Kirchen den Blick schweifen lassen, wird eins ganz deutlich: Der Sommer steht vor der Tür! Der Garten von St. Jacobi gleicht einer Oase, im Hinterhof von St. Simeon spielen fast jeden Tag die Kindergartenkinder und die Cafés im Graefekiez holen ihre Stühle und Tische raus und laden zum entspannen ein. Jetzt beginnt der Sommergenuss, jetzt ist genau die richtige Jahreszeit zum Müßiggang. Wie unbequem empfinde ich da im ersten Moment den Monatsspruch für den schönen Juni daher:

 

Die Frucht des Geistes aber ist Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.

 

Mich droht dieser Katalog von christlichen Tugenden zu erschlagen. Ich versuche wirklich vieles richtig und gut zu machen und ich habe viel Freude im Leben, besonders in der Sommerzeit und hauptsächlich bin ich auch friedlich, allerdings streite ich mich auch gern. Ich will meinen Standpunkt auch auf Kosten des Friedens willen durchsetzen und: Meistens geht es mir viel zu langsam: Ich bin ungeduldig, von Langmut keine Spur. Und wenn mir jemand unsympathisch ist, muss ich mich zusammenreißen, um trotzdem freundlich zu sein und so weiter und so weiter… So könnte ich auch im Blick auf die anderen Worte des Verses reichlich Mängel finden. Der Anspruch des Textes ist für mich unerfüllbar. Schade eigentlich! Bin ich zum Scheitern verurteilt? Und schon ist die tolle Sommerstimmung im Eimer, na herzlichen Dank!

Aber Moment mal… so steht das gar nicht da. Ich habe den Text missverstanden. Er ist keine Anleitung, wie der perfekte Christenmensch werden muss. Dieser Satz ist gar kein Appell, vielmehr weist er uns auf ein Geschenk hin.

 

Er beginnt mit den Worten: „Die Frucht des Geistes ist …" Frucht könnte man auch mit Geschenk übersetzen. Im Mittelpunkt steht also ein Geschenk des Geistes - des Heiligen Geistes. Wenn wir uns ihm öffnen, kommt er in seine Gemeinde, in unsere Herzen und bleibt hoffentlich nicht nur zu Besuch und bringt ein Geschenk mit. Dieses Geschenk ist eine Lebenshaltung. Für ein Geschenk muss man nichts tun, außer auspacken, es annehmen, sich darüber freuen und bestenfalls auch wirklich benutzen und nicht verstauben lassen. Und dem Heiligen Geist die Türen öffnen, das sollten wir auch tun, damit er mit seinem Geschenk nicht davor stehen bleiben muss. Unsere Gemeindehäuser können wir ihm öffnen und unsere Herzen, ganz privat.

Dem Geist in sich Raum zu geben bedeutet, etwas an sich geschehen und durch sich hindurchfließen zu lassen, anstatt selbst etwas zu machen oder zu vollbringen.

Ganz ohne Leistungsdruck, eben als Geschenk. Amen.

 

In diesem Sinne wünsche ich einen wunderbaren Juni.

 

Ihre Lea Baumann

 

Monatsspruch für Mai

Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.
Gal 3,28

Monatsspruch für April

Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden
Joh 16,20

Angedacht ... Liebe Gemeinde!


Gigantische Landschaftsaufnahmen, aufwendige Szenen mit hunderten Schauspielern, Weltuntergangsstimmung – und mittendrin ein Mann, der von Gott eine schicksalhafte Aufgabe bekommt: Noah: die Bibel im Kino! Am 4. April startet "Noah" in den heimischen Kinos. Der Film handelt von der biblischen Geschichte eines Mannes, der von Gott den Auftrag bekommt, eine Arche zu bauen, um Mensch und Tier vor der drohenden Sintflut zu retten. Wir schreiben einige Jahrhunderte nach Entstehung der Welt. Gott blickt auf das, was nach dem Sündenfall aus der Erde geworden ist. Ein schreckliches Szenario: Gewalt, Hass, Streit und Krieg. Es scheint, als ob nur noch das Böse die Oberhand hätte. Es ist die Zeit für einen grundlegenden Neuanfang!


Einzig und allein eine Sippe, die des Noah, lebte gerecht. Ihn und seine Familie wollte Gott vor der großen Überflutung bewahren, um mit ihm einen Neuanfang für eine gerechtere Welt zu starten.
"Ist das das Ende von allem?", fragt Ila (Emma Watson) ihren Adoptivvater Noah (Russel Crowe). Darauf seine Antwort: "Es ist der Anfang. Der Anfang von allem."


Als Hollywoodproduktion darf man mit "Noah" sicherlich keinen bibelwissenschaftlichen Film erwarten. Aber das möchte auch gar nicht sein. Dennoch, die Geschichte über Noah und seine Arche hatte Produzent Darren Aronofsky immer schon fasziniert, so dass er seit seiner Kindheit davon träumte, einmal einen Film darüber zu drehen. Und mit einem Budget von 125 Millionen Dollar ließ sich auf jeden Fall ein episches Kino zustande bringen. Für Spannung sorgt nicht nur die bevorstehende Flut, sondern auch die Auseinandersetzung Noahs mit den Menschen, die letztlich die Arche für sich haben wollen. Auch wenn Noah mit seiner Familie nur allein gegen die Übermacht da steht, er weiß, dass Gott mit ihm ist. "Ich bin nicht allein!", sagt er mit Überzeugung.


Eine Frage stellt der Film, bzw. die biblische Geschichte, auf der der Film beruht: "Wie kann Gott alle Menschen so brutal auslöschen? Wie grausam und böse muss so ein Gott sein?" Ist Gott also böse? Um eine Antwort darauf zu finden, müssen wir genauer in der Bibel lesen. In Genesis 6 heißt es: "Der Herr sah, dass auf der Erde die Schlechtigkeit des Menschen zunahm und alles Sinnen und Trachten seines Herzens böse war."  Das heißt, der Mensch war böse. Nicht Gott. Heute sagen wir oft: "Wie kann Gott dies oder das zulassen? Warum lässt Gott Leid und Kriege zu?" Wenn wir von Terroranschlägen, Folter und Krieg hören, wie oft denken oder sagen wir dann: "Warum fährt Gott hier nicht dazwischen?" Am Ende der Geschichte von Noah lesen wir: "Der Herr sprach, ich will die Erde wegen des Menschen nicht noch einmal verfluchen, denn das Trachten des Menschen ist böse von Jugend an. Ich will künftig nicht mehr alles Lebendige vernichten, wie ich es getan habe (Gen 8,21) Die biblische Geschichte zeigt uns, dass diese Art von Abwehr des Bösen, die Rache, die Vernichtung, letztlich nichts bringt. Darum hat Gott sozusagen "beschlossen", nie mehr auf diese Weise einzugreifen. Seine Art, das Böse zu vernichten, wird es dann sein, sich selbst - d.h. in seinem Sohn Jesus Christus - durch das Böse "vernichten" zu lassen. In Christus stirbt Gott am Kreuz selbst, und lässt sich vom Bösen "vernichten". Und doch, wir wissen und glauben es: Am Ostertag hat Gott seinen Sohn auferweckt von den Toten. ER ist der Sieger über das Böse, über den Tod und den Teufel. Am Ende triumphiert das Leben, der Lebendige, der Auferstandene Herr! Am Ende der Sintflutgeschichte schließt Gott mit Noah einen Bund und setzt als Zeichen dafür einen Regenbogen an den Himmel. Er ist zum Symbol geworden für den Bund zwischen "Himmel und Erde".

 

Gab es die Sintflut wirklich? Ob es wirklich eine Sintflut gegeben und es sich genauso zugetragen hat, oder ob die Geschichte in der Bibel einen eher symbolischen Sinn hat, wir können es nicht hundertprozentig wissen. Vielmehr können wir uns fragen, was uns diese Geschichte heute sagen möchte. Und doch - es gibt interessante Theorien und zum Teil wissenschaftliche Erklärungen, dass es so eine Flut tatsächlich gegeben hat und wie es dazu kommen konnte. Interessant ist auch, dass sich ein Mythos über eine Flut in den verschiedensten alten Kulturen finden lässt, was darauf hindeutet, dass es einige reale Anhaltspunkte dafür gegeben hat. Eine Theorie sagt zum Beispiel, dass das Ende der Eiszeit mit dem Schmelzen von Eis in einer Höhe von 1600 m einherging, was den Meeresspiegel um mehr als 1000m anhob. Albert Einstein etwa ging davon aus, dass dies durch eine Verschiebung der Erdkruste zustande gekommen sein konnte. Und anscheinend hatten die Mammuts in der Arche keinen Platz mehr. Oder kamen sie zu spät? Aber das werden wir wohl erst im Himmel erfahren...

Eine gesegnete Karwoche und Osterzeit wünscht
und erbittet für Sie und Ihre Lieben,

 

Ihr Pfarrer Holger Schmidt

Monatsspruch für März

Jesus Christus spricht: Daran werden alle erkennen,
dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt
Joh 13,35

Ihr Lieben,

kennen Sie einen Wanderfalken? Es ist kein Wandervogel, sondern die am weitesten verbreitete Vogelart der Welt. Er brütet gerne an Felsen und steilen Abhängen und jagt andere Vögel in der Luft. Dazu fliegt er von hinten im toten Winkel an sie heran oder rast von oben im Sturzflug auf sie zu. Man kann einen Wanderfalken schon am Flugbild erkennen. Er hat einen kräftigen Rumpf, einen großen Kopf, relativ lange, etwas dreieckige, spitze Flügel und einen mittellangen, leicht gerundeten Schwanz. Außerdem hat er eine helle, quergestreifte Unterseite. So kann man ihn von anderen Vogelarten gut unterscheiden. Jetzt wissen Sie, woran man einen Wanderfalken erkennt. Aber woran erkennt man einen Christen? Gibt es bei uns auch ein bestimmtes Erscheinungsbild, eine Körperhaltung oder Verhaltensweise? Sind das die Menschen, die immer mit einem Rucksack voller Pflichten herumlaufen? Oder die sich missionarisch auf jedes Opfer stürzen, das ihnen über den Weg läuft? Woran erkennt man einen Menschen, der zu Christus gehört? Man erkennt sie nicht am bevorzugten Brutplatz – obwohl, manche Kieze haben auch ihren besonderen Reiz auf christliche Familien – am Aussehen – auch wenn oft genug der Christ von der Last der Welt bedrückt scheint – oder der Jagdmethode (das hoffentlich vor allem nicht). Wir haben ein anderes Erkennungsmerkmal genannt: „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt." Nicht was wir tun, zeugt vom Christsein, sondern wie wir es tun. Nicht, dass wir im Gottesdienst zusammen sind, nicht, dass wir uns für die Flüchtlinge am Oranienplatz einsetzen, nicht, dass wir mit den türkischen Mädchen und Jungen in Simeon arbeiten, nicht, dass wir ach so viel Gutes tun, zählt, sondern wie wir es tun! Wir sind nicht erkennbar an den Liedern und nicht einmal den Glaubensbekenntnissen. Nicht, was wir sagen, sondern wie wir es sagen. Wir sind nur erkennbar an der Liebe. Das haben wir ganz explizit: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit ihr einander lieb habt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt." Es geht um die Liebe. Nicht um Einnahmen, Wachstum oder Erfolg. Liebe ist die Grundeinstellung, die alles verändert. Wer liebt, achtet auf das Wohl des anderen. Er will das tun, was dem anderen gut tut. Dazu haben wir nur diese kleine Aufgabe: „Dass ihr euch untereinander liebt." Das ist: wir können nicht alles und jeden lieben. Und müssen es auch nicht. Aber die Gruppe, in der Sie gerade sind, mit den Menschen, mit denen Sie jetzt gerade zu tun haben, denen sollen Sie mit Liebe begegnen. Und diese Einstellung verändert die Atmosphäre in unserer Gemeinschaft, Arbeitsgruppe, Gremium, Gemeinde. Es ist einfach anders, wenn ich merke, dass jemand auch etwas auf mich achtet. Wenn ich spüre, dass ich jemandem wichtig bin. Wenn Gespräche nicht misstrauisch oder lauernd sind, sondern weiterhelfen. Wenn Sie erleben, dass Sie getragen werden, ertragen werden und Vertrauen haben. Das ist der Lebensraum für jede Gemeinschaft. Die Grundvoraussetzung. Wir alle spüren unterschiedlich, wie sich Liebe äußert. Hörbares Lob, erlebbare Zeit zu zweit, sichtbare tätige Hilfsbereitschaft, greifbare Geschenke, spürbare Berührungen, in den Arm genommen werden. Und weil wir das so unterschiedlich spüren, gehört es zur Liebe auch dazu, zu erspüren, welche dieser Äußerungen den anderen besonders erreichen. Was helfen Geschenke einem, der in den Arm genommen werden muss? Was nützt die Zeit zu zweit der, die ein Lob hören muss? Die Sprache der Liebe ist nicht immer die gleiche und jeder spricht sie etwas anders. Lasst uns aufeinander hören, spüren, sehen, erleben und begreifen, was Liebe ist. Achten Sie auf den Wanderfalken am Himmel. Er ist klar erkennbar. Seien Sie es auch! Es segne und behüte Sie Gott der Allmächtige, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

 

Herzlichst

Ihre Pfarrerin Birgit Jung

Monatsspruch für Februar

Redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist,
damit es Segen bringe denen, die es hören.
Epheser 4,29

Bisher kannten sie nur wenige, die Julia Engelmann. Aber seit ihrem Auftritt auf dem Bielefelder Hörsaalslam im Mai 2013, von dem ein Video ins Internet gestellt wurde, ist sie in vieler Munde. Gewaltig ihre Sprache, aufrüttelnd ihre Worte. Sie spricht über das Leben, das wir führen und das
Leben, das wir vielleicht gern geführt hätten. Warum es so schwer ist und dabei doch eigentlich so leicht ist, vom falschen Leben ins richtige zu wechseln. Oder wie Julia es sagt: "eines Tages werde ich alt sein, Baby, und an all die Geschichten denken, die ich hätte erzählen können." Wieder einmal ist mir klar geworden, nach dem ich dieses Video gesehen habe, welch ein Geschenk Sprache ist und welche Gewalt Worte haben, besonders, wenn sie Segen bringen. Das Video können Sie sich hier übrigens ansehen: http://www.youtube.com/watch?v=DoxqZWvt7g8

 

Ja, Worte können auch Schall und Rauch sein. Eben "nur Worte" - Gerede, leere Versprechungen, dumme Phrasen. Ja, böse Worte können auch vergiften, töten, ein Miteinander unmöglich machen.
Worte, einmal gesprochen, können wir auch nicht zurückholen. Sie machen Geschichte, selbst spätere Versöhnung können sie nicht ungeschehen machen, allenfalls überwinden, aber sie bleiben. Darum ist es so wichtig, dass wir uns neu klar machen, welch ein Geschenk Sprache ist und welche Gewalt Worte haben können und dass es darum darauf ankommt, sorgsamer mit unseren Worten umzugehen. Sie sollen doch Segen bringen.


Im 4. Kapitel des Epheserbriefes, aus dem unser Monatsspruch stammt, spricht Paulus über das Leben, dass wir als Christen führen. U.a. erinnert er uns eben genau daran, dass Sprache ein wunderbares Geschenk Gottes ist. Gott spricht. Und das ist sein einmaliges Geschenk an uns, wie er, können auch wir sprechen. Sprache unterscheidet uns von der Tierwelt. Kühe muhen, Hunde bellen, Katzen miauen, Esel iahen, Schweine grunzen, Vögel zwitschern, aber nur wir Menschen können sprechen. Das ist Geschenk und Verantwortung zugleich, meint Paulus. "Lasst darum kein böses Geschwätz aus eurem Munde kommen." Das griechische Wort "sapros", das er hier benutzt, steht sonst im Zusammenhang mit morschen Bäumen und faulen Früchten. Da ist kein Leben mehr drin, das baut nicht mehr auf, ist kein Genuss mehr. Der Segen ist dahin.


Vor Paulus hat Jesus Entscheidendes zur großen Bedeutung der Sprache gesagt. "Unsere Worte offenbaren, was in unseren Herzen ist", sagt er und fügt hinzu, "wir müssen Rechenschaft geben am Tag des Gerichts über jedes unnütze (unvorsichtige, unachtsame, gleichgültige, unbesonnene, nachlässige) Wort, das wir geredet haben." Dies zu wissen, kann uns helfen, verantwortungs-bewusster mit unseren Worten umzugehen:"was sag ich, wie sag ich's, wann sag ich's?" Wir müssen als Dank für das Geschenk der Sprache eine neue Sprach- und Gesprächskultur entwickeln, die Gott ehrt und Menschen hilft. 

 

Anstatt andere mit unseren Worten zu verletzen, lasst uns daran arbeiten, Worte zu finden, die anderen helfen, die ihnen Mut machen, sie aufheitern, anspornen und trösten, die wie Rückenwind sind. Bloß kein sinnloses Geschwätz. Lieber uns manchmal auf die Zunge beißen als ein Wortschwall über andere ergießen. Hier sind wir als Christen neu gefragt, ein Echo auf Gott zu werden.

 

Es gilt, ihn täglich darum zu bitten: "Gib mir die richtigen Worte, gib mir den richtigen Ton."

 

Volker Steinhoff